Traveln mit Campervan und „Workaway“ Part 1 -Südfrankreich und Frankreichs Westküste

Hallo ihr Lieben, ich weiß, lange nichts gehört aber es gab auch nicht wirklich viel zu sagen. 🙂 Das hat sich jetzt geändert und deswegen gibt´s hier mal wieder einen Post. Wie in meinen anderen Posts übers Reisen zu lesen war, haben wir einen längeren Trip, falls man das noch so nennen kann, geplant. Eigentlich sollte es im April losgehen aber wie wahrscheinlich so vielen anderen ist auch uns COVID-19 dazwischen gekommen. Da wir erstmal nicht in unser erstes geplantes Land, Frankreich, einreisen konnten, haben wir uns die Zeit mit Workaway in Österreich vertrieben, was ich im Nachhinein nicht missen möchte.

Am 16. Juni hieß es dann endlich: Die Grenzen sind offen! Und für uns gings postwendend nach Frankreich. Alles gepackt und voller Vorfreude saßen wir trotzdem leicht nervös im Camper, da wir immer noch unsicher waren, ob wir denn jetzt wirklich problemlos über die Grenzen kommen würden. Sowohl die Schweizer als auch die Französische Grenze haben uns eines Besseren belehrt. Keine Kontrollen und somit überhaupt kein Problem. Wir konnten unser Glück kaum fassen, endlich „on the road“.

Wir haben gleich unseren ersten „Host“ also Gastgeber angesteuert, welchen wir über die Plattform „Workaway“ gefunden haben und der uns bereits seit April erwartete. Hier sind wir also beim Punkt Workaway: Da wir länger reisen und somit auch unser Budget im Auge behalten müssen haben wir uns entschieden, zwischendurch immer mal wieder „Workaway“ zu machen. Natürlich auch, weil wir beide der Meinung sind, so Land und Leute am Besten kennenlernen zu können. Das Ganze läuft so ab, dass man meist für Kost und Logis (manche bieten auch Bezahlung) irgendwo unter kommt und dafür mithilft, sei das auf einer Farm, in einem Hostel oder bei privaten Leuten. Es gibt wirklich die unterschiedlichsten Hosts auf der Plattform und für ein jährliches Entgeld hat man Zugang zu sämtlichen Profilen und kann sich aussuchen, mit welchen man Kontakt aufnehmen möchte. Die Arbeitszeiten sind normalerweise 4-5 Stunden pro Tag und 5 Tage die Woche. Bisher waren unsere Hosts aber sehr flexibel und wir konnten auch gerne mal mehr als 5 Tage arbeiten um dann im Gegenzug 4 Tage irgendwo hinfahren zu können. Falls ihr also Lust auf ein etwas anderes Reiseerlebnis habt, kann ich euch „Workaway“ wirklich ans Herz legen.

Provence

Das Chateau

Zurück zu unserer Reise. 🙂 Nachdem wir die Grenze nach Frankreich überquert haben geht´s Richtung Provence. Wir kommen pünktlich zur Lavendelblüte und die Region begrüßt uns mit sommerlichen Temperaturen, tief violetten Lavendelfeldern, riesigen Weinanbaugebieten, dem herben Duft nach verschiedenen Kräutern und dem lauten Zirpen der Zykaden. Wir sind beide hin und weg. Als wir dann in dem kleinen Dorf „St. Victor la Coste“ ankommen fühlen wir uns zurück versetzt in eine lang vergangene Zeit. Kleine, alte Steinhäuschen umgeben von Feigen- und Olivenbäumen und kaum Menschen auf der Straße. Idyllisch ist hier das perfekte Wort. Unsere Unterkunft für die nächsten Wochen haut uns dann aber beide völlig aus den Socken. Wir wussten, es handelt sich um ein Chateau aber was wir vorfinden übertrifft alle unsere Erwartungen. Ein 500 Jahre altes Chateau umgeben von meterhohen Zypressen die sich im Wind bewegen, kleine Cottages die einen unbeschreiblich schönen Pool einfassen und ein bezaubernd nettes Ehepaar, das den ganzen Laden schmeißt.

Der Pool

Wir wissen, wir haben hier den Luxus Workaway Spot bekommen. 🙂 Für alle die jetzt Fernweh haben, man kann die erwähnten kleinen Cottages auch für einen Urlaub buchen, für alle Interessierten hier der Link zum Chateau. Wir verbringen eine sehr kurzweilige Woche mit restaurieren alter Steinmauern, putzen von Gästezimmern, baden am Pool, besuchen von tollen französischen Wochenmärkten und angenehmen, leckeren Abendessen in bester Gesellschaft und tollem Wein. Das war absolut nicht was wir erwartet hatten und auch absolut nicht was wir kennen.

Oliven am Markt in Uzes

St.Victor la Coste ist ein super Ausgangspunkt um die Provence zu erkunden und wenn man durch das Dorf durch Richtung Süd-Westen fährt gibt es immer wieder kleine Plätze an der Straße, auf denen man gut für eine Nacht freistehen kann. In dieser Richtung liegt auch die kleine Stadt Uzes, die Dienstag und Samstag einen sehr empfehlenswerten Markt hat. Ebenso ist der Flohmarkt in Villenueve für Antiquitätenliebhaber ein absolutes Muss und bietet an Markttagen auch die von unserem Gastgeber so geliebten Austern und Moules Frites an.

Markt in Villenueve

Wir hatten wie immer unsere Bikes dabei, leider ist Südfrankreich aber ein absolutes Rennrad Gebiet und bietet kaum MTB Strecken. Wir konnten die Bikes aber nutzen um durch die traumhaften Weinanbaugebiete nach Laudun zu fahren. Ein gemütlicher Kurztrip in das kleine Dorf, welches allerdings nicht viel zu bieten hat.

Radtour nach Laudun

An unserem freien Wochenende machen wir uns dann doch auf nach Bedoin, welches am Mont Ventoux liegt. Dieser ist Teil der letzten Etappe der Tour de France und hat anscheinend auch für Mountainbikes was zu bieten. Wir parken den Camper an einem großen Parkplatz links am Anfang des Dorfes, wo wir schließlich auch übernachten. Leider sind die Trails und auch der Forstweg der nach oben führt überzogen von sehr tiefem Schotter und machen absolut keinen Spaß. Außerdem umfasst die Tour 1700 Höhenmeter und will zeitlich gut geplant sein. Fazit: Südfrankreich ist nicht wirklich für MTBs geeignet. Das Städtchen Bedoin ist allerdings sehr nett und quirlig und bietet einige Restaurants und Bars für den Abend.

Cote dÀzur

Ohne Worte 😊

In der zweiten Woche werden wir gebeten uns den Renovierungen eines zweiten Hauses in St. Maxime an der Cote dÁzur anzunehmen. Absolut kein Problem für uns, wir fahren die 2,5 Stunden nach Süden und landen in einer marrokanischen Villa mit dem unglaublichsten Meerblick den wir je gesehen haben. Das Haus ist zwar an manchen Ecken renovierungsbedürftig aber dennoch der pure Luxus. Wir verbringen auch hier ein paar sehr heiße und arbeitsreiche Tage mit restaurieren und streichen von Geländern, Toren und Wänden, Wäsche waschen, Fliesen reinigen und Elektroarbeiten aber natürlich auch mit ausgiebigem Sonnenbaden, herrlichen Abendessen und zum Teil das Ganze nur zu zweit.

Von hier aus werden wir von unserem Host zur Belohnung nach St. Tropez zum Abendessen eingeladen und meine Lieben ich sage euch, es war ganz schön im Chateau und der Villa mal ein bisschen Luxus zu schnuppern aber St. Tropez war mir definitv eine Nummer zu viel. Riesige Luxusjachten, teuer angezogene Mädchen die davor warten, in der Hoffnung eingeladen zu werden, Menschen die sich herausputzen, nur damit man sieht was sie haben und trotzdem nicht glücklich aussehen. Zumindest gabs ein leckeres Eis zur Nachspeise. Wer sich gerne den Luxus anderer ansieht sollte St. Tropez definitiv einen Besuch abstatten, wer darauf verzichten kann soll dies tun denn es ist teuer und nicht sehenswert. Hingegen ist St. Maxime, wo wir untergebracht sind ein zwar ziemlich touristischer aber doch ganz süßer Hafenort der auch nicht ganz so teuer ist. St. Maxime und die umliegenden Orte verfügen außerdem auch über einige public Beaches, die zumindest unter der Woche nicht so voll sind. Trotzdem ist die Cote dÁzur sicher nichts für Low Budget traveller und wir wären ohne Workaway niemals dort gelandet. 🙂

Sainte Maxime

Gorges du Verdon

Da wir Besuch von zu Hause bekommen nehmen wir uns ein paar Tage frei und fahren nun mit zwei Campern die 3 Stunden nach Aiguines. Wir haben uns die Gorges du Verdon als Ziel ausgesucht, da die Schlucht wunderschön und mit dem Kajak befahrbar sein soll. Wir übernachten am Camping des Galetas, der preislich absolut in Ordnung ist. Er liegt an dem großen See direkt neben dem Eingang zur Schlucht. Von der netten Campingplatzbetreiberin bekommen wir den Tip, unsere Kajaktour Morgens zu machen, da es sonst sehr voll wird. Wir starten also gleich um 09:00, als der erste Kajakverleih öffnet. Für 2 Stunden Kajak ausleihen bezahlen wir 25€. Die Schlucht ist unglaublich schön und morgens sehr ruhig und friedlich. Als wir aber gegen 10:30 wieder Richtung See paddeln haben wir Mühe, den ganzen Treetbooten, Kajaks und SUPs auszuweichen. Dahin ist der Frieden. Solltet ihr also Lust auf einen Kajaktrip durch die Gorges du Verdon haben, macht ihn definitiv so früh Morgens wie möglich.

Camargue

Am nächsten Tag gehts weiter Richtung Camargue. Wir verzichten auf die ziemlich teuren französischen Autobahnen und fahren über die Landstraße durch wunderschöne Landschaften. Der Hunger lässt uns einen Zwischenstop in Riez einlegen, ein süßes kleines Städtchen mit Samstagsmarkt und vielen Restaurants. Wir fahren danach bald durch die wunderschöne Landschaft der Camargue mit ihren schwarzen Stieren, den weißen Pferden und den pinken Flamingos und sind begeistert. Schließlich landen wir in St. Marie de la Mer und unsere Begeisterung lässt etwas nach, da es hier von Menschen und Vergnügungsangeboten nur so wimmelt. Da der Tag bereits etwas fortgeschritten ist bleibt uns nichts anderes, als für eine Nacht im „Camping la Brise“ direkt am Meer abzusteigen. Nicht ganz preiswert aber ein Sprung ins Meer macht doch so einiges wet. Am nächsten Morgen machen wir uns jedoch nach dem Frühstück gleich auf die Suche nach einem Anderen Campingplatz und werden fündig. Etwa 30 Minuten vom Meer entfernt in Vauvert liegt der saubere, von Blumen umgebene Campingplatz mit dem passenden Namen „flower Campings“. Was in der Camargue und auch in Aiguines wirklich erwähnenswert ist, ist dass wir uns mit unseren zwei Campern immer einen Platz teilen konnten. Die Plätze sind allgemein sehr groß und man kommt somit viel günstiger.

Wir verbringen noch zwei ruhige Nächte in der Camargue, die sich wirklich wie Urlaub anfühlen, Buch lesen, sich am Pool sonnen und französisches Essen essen. Wobei, zum französischen Essen gibt es für alle Vegetarier und Veganer wie mich etwas zu sagen: Ihr werdet es nicht leicht haben. Frankreich ist ein absolutes Fleisch und vor allem Fisch Land und es bleiben einem nicht viele bis keine Optionen außer selbst zu kochen und selbst da hat es einige Zeit gedauert, bis ich im Supermarkt die richtigen Produkte entdeckt habe da ACHTUNG: oft nicht einmal der Hummus vegan ist. Besser wurde das Ganze erst, als wir dann weiter an die Westküste gezogen sind. Aber dazu kommen wir.

Nach unseren feinen Urlaubstagen haben wir nochmal einige Tage in St. Maxime sowie in St. Victor la Coste bei unseren Hosts verbracht und gearbeitet bis wir uns dann auf den Weg gemacht haben. Das Surfen ruft. 🙂 Unsere Bikes haben wir im Chateau gelassen, da die Wahrscheinlichkeit, dass sie geklaut werden ziemlich hoch ist und wir uns jetzt erstmal eh aufs Surfen konzentrieren werden.

Lamontjoie

Unser Zuhause

Da die Fahrt an die Westküste doch ziemlich lang ist und wir beide müde waren haben wir hier am Camping Saint Louis einen kurzen Zwischenstop für 2 Nächte eingelegt. Es ist überhaupt nichts los, was hauptsächlich an COVID-19 liegt, wie uns die Besitzerin verzweifelt erklärt. Das Dorf ist winzig, verfügt aber über einen kleinen Supermarkt. Der Campingplatz liegt an einem See, in dem man allerdings nicht baden darf, hat jedoch einen Pool. Umgeben von Sonnenblumen-, Mais- und Kornfeldern finden wir hier genau die Ruhe, die wir brauchen.

La Rochelle

La Rochelle

Am nächsten Tag gehts weiter nach La Rochelle, eine Hafenstadt an Frankreichs Westküste, die absolut sehenswert ist. Im Gegensatz zur Provence und Cote dÁzur, die eher die schicken Gegenden sind, ist La Rochelle sehr leger. Mit kunstvollen Graffitis besprühte Häuser am Meer, eine Promenade mit ettlichen Restaurants und endlich gutes veganes Essen für mich verschönern uns den Tag. Unser Plan ist es aber immer noch, endlich Surfen zu gehen, daher gehts der Küste entlang weiter Richtung Süden. Wir übernachten in Hiers-Brouage, freistehend, an einem kleinen, ruhigen Parkplatz an der Straße, inmitten von kleinen Bachläufen, Wiesen mit Kühen und großen weißen Reihern.

La Rochelle

Carcans Plage

Und weiter gehts nach Carcans Plage. Hier sollten wir zum ersten Mal surfen können. Leider bemerken wir hier aber auch klar den Beginn der Sommerferien in einigen europäischen Ländern. Es ist voll und teuer. Das Lineup wäre zwar perfekt Anfängergeeignet, genau was wir suchen, aber das haben zig andere wohl auch gesucht. Trotz COVID-19 ist es uns hier definitiv zu voll, ich will mir gar nicht vorstellen, was hier normalerweise los ist. Der Ort ist zwar wunderschön, die Campingplätze zwischen den Bäumen, der Weg zum Strand über die Dünen und die perfekten Anfängerwellen rufen zum Bleiben aber wie gesagt: Menschenmassen! Wir übernachten zwar einmal hier, fahren jedoch am nächsten Tag weiter mit dem Plan uns in Hossegor Surfboards zu kaufen und dann nach Spanien zu düsen und so machen wirs auch. Hossegor verfügt über ein riesiges Outlet für Surf-und Skate Zubehör und Klamotten und wir decken uns erstmal ein. Da wir wissen, dass wir in nächster Zeit öfter Surfen werden, rentiert es sich definitiv sein eigenes Board zu kaufen, vor allem wenn man die Preise zum Verleih in Westfrankreich anschaut. Also eingekauft und ab nach Spanien.

Denkt euch den Müllsack weg 😊

Mein Fazit zu Südfrankreich: Südfrankreich ist wirklich bezaubernd schön und definitiv einen Besuch wert. Auch wenn man, wie wir eigentlich, gemütlich mit dem Camper Urlaub machen möchte bieten sich zahlreiche Möglichkeiten (auch zum Freistehen) und man hat nur wenige Autostunden von Österreich oder Deutschland entfernt sofort das Gefühl, im Süden zu sein und einer ganz anderen Kultur beizuwohnen. Was die Atlantikküste angeht habt ihr sicher bemerkt, dass ich bzw. wir einfach von den unglaublich vielen Menschen etwas genervt waren. Wenn man das jedoch mag bzw. es einem egal ist, ist die Küste landschaftlich ebenfalls wunderschön und im Sommer perfekt für Anfänger zum Surfen geeignet. Eventuell schauen wir uns das Ganze ja in der Nebensaison nochmal an.

Ihr Lieben das wars von mir erstmal was Frankreich betrifft, wir hören uns wieder, wenn ich etwas mehr zu Spanien zu sagen habe. 🙂

machts gut,

Mel

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