Traveln mit Campervan und „Workaway“ Part 3: Andalusien

Ihr Lieben,

Das Letzte, das ihr über den Verlauf unserer Reise wisst ist, dass wir uns, mangels Sonne an Spaniens Nordküste, auf den Weg ins schöne Andalusien gemacht haben. Soweit so gut. 🙂 Leider hat unser lieber „Erwin“ entschieden, auf halbem Weg schlapp zu machen, und uns damit einen fast zwei wöchigen Aufenthalt in Caceres beschert, wofür wir ihm im Nachhinein, fast ein Bisschen dankbar sind. Über unsere Erfahrungen in Caceres, könnt ihr hier alles nachlesen. Als schließlich unser lieber Camper wieder fahrtüchtig war, gings endlich wieder los. Nachdem wir die Berge bereits vor Caceres hinter uns gelassen hatten, führen uns die Straßen hier durch rießige Eichenplantagen, und die rötliche Erde erinnert fast ein Bisschen an Australien.

Huelva-Donana Nationalpark

Wir erreichen Andalusien nach einigen Stunden im Auto, schließlich in der Provinz Huelva, nur wenige Autominuten von der portugiesischen Grenze entfernt. Wir übernachten auf der Halbinsel Isla Christina, an deren Strand wir schnell feststellen, dass mangels Wellen, aus dem Surfen hier in nächster Zeit wohl nichts wird. Dafür kann man sonst Vieles unternehmen. Obwohl sich ein Trip an Portugals`berühmte Algarve anbietet, geht es für uns in entgegengesetzte Richtung weiter. Portugal heben wir uns für nächstes Jahr auf.

Durch unsere Entscheidung, uns den berühmten Donana Nationalpark anzusehen, stoßen wir auf das kleine Dörfchen El Rocio. Dieses ist wirklich einen Besuch wert. Keine geteerten Straßen, alles ist mit Sand bedeckt, es gibt mehr Pferde als Einwohner, und vor jedem Haus Holzbalken wie im Wilden Westen, um besagte Pferde anzubinden. Wir kommen uns vor, wie in der Zeit zurück versetzt. Vor allem Nachts, wenn die Temperaturen angenehmer sind, erwacht dieses Dorf zum Leben. Menschen, die sich zu gemeinsamen Ausritten treffen, und Familien, die eine Kutschfahrt machen, bewegen sich hier genauso selbstverständlich, jedoch viel sicherer, wie auch die Autos, die sich mühevoll den Weg durch den Sand bahnen, um nicht stecken zu bleiben.

Sonnenuntergang im Donana Nationalpark

Alleine, dieses Dorf gesehen zu haben, hat uns für unseren Ausflug in den Nationalpark entlohnt. Der Nationalpark selbst, darf nämlich leider ohne Führung nicht betreten werden. Somit muss die nördliche oder die südliche Tour, über die offizielle Website gebucht werden, man wird in große, geländegängige Buse verfrachtet, und durch den Park gefahren. Rehe, Vögel und Wildschweine stehen hier an der Tagesordnung. Wer Glück hat begegnet einem der berühmten, iberischen Luchse. Für uns war die Tour ehrlichgesagt ziemlich langweilig, für ornithologisch Interessierte, kann der Donana Nationalpark jedoch, zur richtigen Jahreszeit, durchaus einen Besuch wert sein. Persönlich würde ich empfehlen, die Südroute zu wählen, da diese zum Teil am Meer entlang führt. Der fantastische Sonnenuntergang, welchen wir schon bei der Nordroute genießen durften, dürfte dabei noch eindrucksvoller sein.

Provinz Cadiz

Für uns gings, auf der Suche nach Wellen, danach erstmal weiter an die Küste. Anfang September sind die Strände immer noch ziemlich voll, und die erhofften Wellen nicht vorhanden. Obwohl wir bekannte Surfspots wie „Playa de las tres Piedras“ oder „El Palmar“ anfahren, bleibt der „Swell“ aus. Dafür werden wir mit schönen Plätzen zum Übernachten, direkt am Strand belohnt. Vor allem in El Palmar, gibt es zwischen netten, und leckeren Restaurants, süße kleine Stände, die in charmanter Hippie Manier, Kleidung und Schmuck präsentieren. Der ganze, kleine Ort, hat Charme und eine gewisse „Laid back“-Attitude, die zum Bleiben einlädt. Also legen wir hier ein paar gemütliche Badetage ein, und schlagen uns die Bäuche mit dem leckeren, veganen Essen voll. Mehr darüber, könnt ihr in meinem Blogpost über das Essen in Spanien lesen.

El Palmar

Auch die älteste Stadt Andalusiens, Cadiz, ist einen Besuch wert. Nicht nur, dass sie eines der besten, veganen Restaurants beherbergt :), nein, sie besitzt auch eine wunderschöne Altstadt. Diese ist umgeben vom Meer, und nur von einer Seite zugänglich. Man kann die alten Rüstungsmauern und Kanonen nach wie vor bestaunen. Zudem lohnt es sich, sich in einen der wunderschönen Parks/Gärten zu setzen, und die kunstvollen Fliesenmuster, sowie die wunderschönen Pflanzen und Bäume zu bewundern. Natürlich lädt die hübsche Stadt auch zum Shoppen ein, und hat sogar einen kleinen, stadteigenen Strand, dem man die etwas ungewohnten Bilder von Menschen, die mit Sonnenschirmen und Liegestühlen durch die Stadt spazieren, zu verdanken hat.

Sierra de Grazalema

Obwohl die Küste sehr schön ist, entscheiden wir uns, den Menschenmassen am Wochenende, ins Landesinnere zu entfliehen. Auf in die berühmte Sierra de Grazalema, mit ihren weißen Dörfern und den Eichenwäldern. Unsere erste Nacht verbringen wir freistehend an einem ruhigen Bach. Die einzige Gesellschaft, bekommen wir Abends von einer Herde Kühe, die jedoch bald weiter zieht. Das nächst liegende Dorf ist Arcos de la Frontera, welches auf einem Hügel erbaut ist, und in leuchtendem Weiß erstrahlt. Die Häuser stehen zum Teil direkt an der steil abfallenden Felswand, was zu bewundern uns doch ein wenig Zeit kostet. 🙂

Park4Night

Von dem naheliegenden Dorf Villanueva aus, machen wir uns dann auf, zu unserer ersten Wanderung. Wir gehen durch schöne Korkeichenwälder und begegnen erstmals den berühmten Iberico Schweinen, die zumindest in dieser Region, einfach frei unter den Bäumen im Wald leben. Unser Weg führt uns weiter, über endlose, mit trockenem Gras bewachsene Ebenen, vorbei an grasenden Kühen und dann hinauf, auf einen der felsigen Hügel. Der Ausblick ist traumhaft, und überhaupt ist die Gegend der Sierra de Grazalema wunderschön.

Sierra de Grazalema

Unsere zweite „Wanderung“ führt uns am nächsten Tag von El Bosque, entlang des Rio el Bosque, nach Benamahoma. Hin und retour dauert das Ganze, wenn man sehr gemütlich geht, und sich Pausen gönnt, etwa 3 Stunden. Obwohl ich diesen Weg persönlich nicht als Wanderungng bezeichnen würde, ist er wunderschön. Der frisch dahinsprudelnde Bach ist glasklar, und wir können unterwegs immer wieder frische Feigen vom Baum naschen. Allerdings ist es empfehlenswert, diesen Weg unter der Woche zu gehen, da er am Wochenende geradezu brechend voll mit Menschen ist.

Auch das Dorf Grazalema an sich ist wunderschön, malerisch und natürlich ganz in weiß gehalten. Mit den kleinen Bars und Restaurants, und den engen Gassen lädt es zu einem gemütlichen Spaziergang, und einem kalten Bier, mit Oliven zum knabbern, ein. Von Grazalema aus, führen außerdem unzählige Wanderwege in alle Richtungen.

Grazalema

Weiter geht es anschließend nach Ronda, eine sehr bekannte, kleine Stadt, etwas südlich von Grazalema. Die kunstvoll gebaute Brücke, und die vielen Stufen, direkt an der kurzen, jedoch tiefen und wunderschönen Schlucht entlang, sollte man sich nicht entgehen lassen. Auch Ronda ist gezeichnet von kleinen, gepflasterten Gassen, und Restaurants, soweit das Auge reicht. Obwohl es sehr touristisch ist, lohnt sich der Besuch.

Ronda

Letztendlich sind wir uns einig: Andalusiens Inland ist bezaubernd, und sollte bei keiner Reise vernachlässigt werden. So schön die Strände sind, dieser Teil ist zweifellos ebenfalls einen Besuch wert.

Malaga

Da unsere Reise ziemlich kreuz und quer verläuft, und nicht wirklich geplant ist, gehts als nächstes nach Malaga und Umgebung. Wir haben uns zwischendurch ein AirBnB in Benalmadena gegönnt. Davor gabs einen kurzen Halt zum Surfen, in Cabopino, nahe Marbella. Endlich mal wieder im Wasser. Auch hier sind die Wellen nicht sonderlich prickelnd aber immerhin vorhanden. 🙂

In Benalmadena verbringen wir eine entspannte Zeit, mit Besuchen in den umliegenden Dörfern und gemütlichen Strandtagen. Da in Spanien die Schule wieder begonnen hat, ist sehr viel weniger los, und auch an den Stränden geht es entspannter zu. Benalmadena selbst ist sehr englisch angehaucht, und viele der Bars sind als „Irish Pubs“ betitelt. Wer also das „richtige“ und ursprüngliche Spanien sehen will, kann diesen Teil getrost auslassen.

Die Stadt Malaga an sich, ist jedoch wunderschön. Direkt am Meer gelegen, kann man hier sowohl an der Strandpromenade entlang spazieren, als auch auf Shoppingtour in der City gehen. Sowohl MarkenliebhaberInnen, als auch solche, die vermehrt nach kleinen, und besonderen Geschäften Ausschau halten, kommen hier auf ihre Kosten. Malaga besitzt außerdem eine große Markthalle, in der ich mich mit frischen Früchten eindecke, und das geschäftige Treiben der Einheimischen und der Verkäufer beobachte. Ich kann nicht anders, ich liebe einfach Märkte. 🙂

Gibraltar und Tarifa

Für uns geht es anschließend wieder in entgegengesetzte Richtung weiter, ich weiß, da steckte wirklich nicht viel Planung dahinter. 🙂 Eigentlich wollten wir Gibraltar besuchen, und haben bereits am Strand, mit Blick auf den berühmten Fels von Gibraltar übernachtet. Hier unten im Süden sind die Strände lang und leer, was ganz unseren Geschmack trifft. Als wir jedoch am Morgen Richtung Gibraltar unterwegs sind, macht uns Erwin mal wieder einen Strich durch die Rechnung. Irgendwie scheint er momentan nicht ganz zufrieden zu sein, der alte Junge. Jedenfalls gehts statt nach Gibraltar, erstmal ab in die Werkstatt. Gott sei Dank ist es diesmal nichts Großes, und wir fahren weiter nach Tarifa.

Coronatimes-zwischen Atlantik und Mittelmeer

Tarifa ist eine sehr kleine, schneeweiße Stadt, zwischen Atlantik und Mittelmeer, die sehr viel Charme, und unzählige individuelle, kleine Shops, die zum stöbern einladen, hat. Außerdem scheint Tarifa zu dieser Jahreszeit (September) ein absolutes Kite-Surf Paradies zu sein. Somit müssen wir unsere Surfboards mal wieder im Trockenen lassen. Es macht jedoch Spaß, am Strand den Kitesurfern zuzusehen, und zwischen Atlantik und Mittelmeer entlang zu spazieren. Auch kulinarisch lässt Tarifa nichts zu wünschen übrig und ist im Gesamten einfach einen Besuch wert.

Barbate

Von Tarifa geht es jetzt wieder der Küste entlang Richtung Norden. Wir verbringen hier noch einige, gemütliche Tage in Barbate. Die langen Strände hier sind wild und menschenleer. Bis auf ein paar Fischer, und eine Herde Kühe, die die Sonne genießen, sind wir hier fast die Einzigen. Leider ist jedoch auch hier, ebenso wie in den nahegelegenen Dörfern Zahora oder Bolonia nichts mit Surfen. Trotzdem ist dieser Küstenstreifen einer der schönsten, die wir bis dato, abgesehen von Spaniens Norden, besuchen durften. Ein kurzer Fußmarsch, weg von der Küste, Richtung Inland, belohnt uns außerdem nochmal mit eleganten Flamingos. 🙂

Flamingos in Barbate

Chiclana de la Frontera

Anfang Oktober haben wir dann endlich mal wieder einen Host, und bringen „Workaway“ wieder ins Spiel. 🙂 Bei einem schottischen Paar in Pago del Humo haben wir unsere eigene kleine Villa mit Pool, und dürfen den beiden sowohl bei der Gartenarbeit, als auch bei Arbeiten im Haus, zur Hand gehen. Wir genießen die Zeit hier, und schaffen es sogar, an zwei, drei Tagen halbwegs akzeptable Wellen in El Palmar, welches nur 30 Minuten entfernt liegt, zu erwischen.

Sonnenuntergang in El Palmar

Außerdem besuchen wir Jerez, welches ganz in der Nähe liegt und bekannt für den Moto GP in Spanien ist. Auch der Strand und Surfspot „La Barrosa“ liegt nur 30 Minuten entfernt und ist zu dieser Jahreszeit leer, genauso wie wir uns das wünschen. 🙂 Die nächste Stadt, Chiclana de la Frontera, liegt nur 10 Minuten entfernt und hat alles, was wir brauchen. Allerdings ist sie nichts Besonderes und deshalb nicht unbedingt einen Besuch wert.

Nachdem wir also Andalusien sehr genau erkundet haben, geht es für uns Ende Oktober auf die Fähre, von Cadiz auf die Kanaren. Fuerteventura wir kommen, hoffentlich hälst du ein paar schöne Wellen für uns bereit. 🙂

Zahora

Tips für Andalusien

  • Für alle, die mit dem Camper reisen, ist Andalusien ein Traum. Vor allem in den Nebensaisonen, in denen auch das Freistehen kein Problem ist. Die besten Plätze findet man über „Park4Night“, und wenn COVID-19 uns endlich mal wieder verlässt, mangelt es auch nicht an Strandduschen. Außerdem gibt es genügend, nette, kostengünstige Campingplätze.
  • Auch die nicht im Camper Reisenden, kommen nicht zu kurz. Andalusien bietet unzählige Unterkünfte, von Hotels, über kleine „Casitas“, bis hin zu „Airbnb“.
  • In Andalusien funktioniert die Verständigung auf Englisch deutlich besser als im Norden Spaniens. Allerdings schadet es nicht, ein paar Brocken Spanisch zu können. Dies verschafft zudem Sympathiepunkte bei den Einheimischen. 🙂
  • Vegan und vegetarisch Essen, ist in Spanien nicht so einfach. Wie und wo ihr gute Restaurants und die besten Supermärkte findet, könnt ihr hier nachlesen.
  • Zum Surfen eignet sich Andalusien am Besten im Winter. Angenehme Temperaturen, sowohl im Land, als auch im Wasser, und moderate Wellen, laden zu einem Surftrip ein. In den Sommermonaten, könnt ihr eure Boards allerdings getrost zu Hause lassen.
  • Bitte und Danke. Ein letzter Tipp, den wir hier bekommen haben: In Andalusien sagt man nicht „Porfavor“ also „Bitte“, wenn man gerne etwas hätte. Man bedankt sich lediglich danach mit „Gracias“. Anscheinend kann ein „Porfavor“ als etwas ungeduldig oder sogar unfreundlich aufgefasst werden.

Ihr Lieben, alles in Allem ist Spanien ein sehr entspannt zu bereisendes Land, in dem wir bis dato noch keine schlechten Erfahrungen gemacht haben. Selbst in den Autowerkstätten, die wir ja doch öfters besucht haben 🙂 wurden wir immer freundlich und zuvorkommend behandelt und die Menschen waren sehr bemüht. Das einzige Manko, das Spanien einfach hat, ist, das Problem mit dem Müll. Leider gibt es kaum Recicling und es liegt überall, alles herum. Schade…

Trotzdem ist Andalusien, mit seinen langen Sandstränden, den freundlichen Menschen, dem leckeren Essen, und dem traumhaften Inland einen Besuch wert. Gönnt euch diesen Trip, ins südlichste Europa und genießt die Sonne. Wir hören uns wieder, von Fuerteventura.

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